Kirche in Hanau

Hanau bietet einen bunten Blumenstrauß an unterschiedlichen christlichen Kirchen.

Seit über 100 Jahren gehören die Kirche der Baptisten zum Stadtbild von Hanau. Die Geschichte begann 1893:

Ein reisender Bibelverkäufer war in der Umgebung von Hanau unterwegs und berichtete über die Stadt:
„Hier ist Satans Stuhl“. Doch Gottes Geist war am Wirken. Es gab bereits die Gemeinschaftsbewegung in der Stadtmission und 1902 entstand die Freie
evangelische Gemeinde. 1906 kamen bei einer Evangelisation viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus.
Unter den Neubekehrten kam es anschließend zu einem regen Gespräch über die Taufe - mit dem Ergebnis, dass sich eine ganze Anzahl von ihnen taufen ließen. Dies geschah in der Frankfurter Baptisten Gemeinde.

Ihre neue geistliche Heimat suchten sie, weil das die nächstgelegene Baptisten Gemeinde war, in Hainchen. Dort trafen sie auf andere Hanauer, die bereits vor ihnen Kontakt zu den Baptisten gesucht und sich der Hainchener Baptisten Gemeinde angeschlossen hatten. Von Hanau nach Hainchen - ein weiter Weg der jeden Sonntag zurückzulegen war - teils mit dem Zug und teils zu Fuß.

Warum nicht in Hanau eine eigene Gemeinde gründen?
Doch wo sollte sich die Gemeinde treffen? Kein Problem: einstweilen stand das Wohnzimmer der Familie Huber zur Verfügung, am Paradeplatz (dem jetzigen Freiheitsplatz) Nummer 12 a.

Gemeindegründung 1908

Am 12. August 1908 war es so weit: Die erste Versammlung wurde unter der Leitung des Predigers von Hainchen in Hanau abgehalten. Deshalb gilt dieser Tag als Gründungstag unserer Gemeinde.

1911 wurde die Hanauer Gemeinde an die Gemeinde Frankfurt überwiesen und von dort aus betreut. 18 Mitglieder hatte sie damals.

1920: Franz Kuhl war der erste eigene Pastor der Gemeinde Hanau. Frisch vom Seminar kommend ging er mit großem Eifer an die Arbeit. Die Zahl der Mitglieder wuchs. Eine Wohnung reichte nicht mehr aus als Versammlungsort, und die Gemeinde zog um in die „Alte Hospitalkirche“.
Ab 1922 bildete sie eine Doppelgemeinde mit der Gemeinde Darmstadt zusammen. Damals hatte sie bereits 66 Mitglieder. Es war eine wirtschaftlich schwere Zeit. Schwierig war es auch für den Pastor, mit dem auszukommen, was ihm die Gemeinde bezahlen konnte. Als Folge der Inlation wurden Missionseinnahmen von 230 Billionen Mark verzeichnet.

1925 - 1935: Eine predigerlose Zeit von 10 Jahren. Mehrere Umzüge, Spaltungen und Versöhnungen prägten diese Zeit.
Seit 1941 führen wir den Namen „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde“. Damals entstand unser Bund unter dem Druck der politischen Verhältnisse. In der Kriegszeit versammelte sich unsere Gemeinde zusammen mit der Freien evangelischen Gemeinde in deren Räumen. Der damalige Pastor, Friedrich Malessa, war zum Zollgrenzschutz eingezogen worden. Der Krieg brachte viel Leid, auch über Gemeindefamilien. Am 19. März 1945 wurden 80 % der Stadt Hanau durch Bomben zerstört. Viele Gemeindeglieder wurden ausgebombt und zogen aufs Land - und die beiden Gemeinden hatten keinen Versammlungsraum mehr.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Als der Krieg 1945 zu Ende ging, befanden sich nur wenige Geschwister in Hanau. Die meisten hatten durch die 80-%ige Zerstörung der Stadt ihre Wohnungen verloren und mussten in die Dörfer der Umgebung umziehen. Als Pastor Friedrich Malessa zurückkehrte, traf sich die kleine Gemeinde zunächst mit der Freien Evangelischen Gemeinde im Keller der Mittelschulruine zum Gottesdienst. Es waren etwa 30 Personen, also ein kleines Häulein.

1946 ergab sich die Gelegenheit, eine Baracke in der Eugen-Kaiser-Straße zu kaufen. Am 06.05.1946 erfolgte die Einweihung der Kirche. Sie diente beiden Gemeinden bis 1950 als Gottesdienstraum diente. Jetzt wurden die Gottesdienste nacheinander abgehalten. Nach und nach kehrten die verstreuten Gemeindeglieder wieder nach Hanau zurück, und die Männer, die den Krieg überlebt hatten kamen aus der Gefangenschaft nachhause. Einige Familien, die aus dem Osten vertrieben worden waren, kamen hinzu und schlossen sich der Gemeinde an. Zu dieser Zeit erfuhr Pastor Malessa, dass viele Mitglieder der ungarischen Gemeinde Bonyhad als Vertriebene verstreut in einigen Dörfern um Gelnhausen und im Vogelsberg untergekommen waren. Er setzte sich mit dem damaligen Landrat Kreß von Gelnhausen in Verbindung und bat um Zusammenführung an einen Wohnort. Er erreichte unter Mithilfe des Bürgermeisters Wagner aus Meerholz, dass diese Bitte erfüllt wurde, und so konnten alle Geschwister aus Bonyhad in Meerholz ihr neues Zuhause inden. Das war in der damaligen Nachkriegszeit sicherlich nicht einfach, aber mit Gottes Hilfe wurde es möglich. Hier entstand 1947 eine kleine Station von ca. 65 Mitgliedern, die von Hanau betreut wurde. Bruder Malessa hat sich sehr liebevoll auch um die verstreut wohnenden Geschwister bemüht. Sie regelmäßig besucht und Bibelstunden gehalten. Das war bei den damaligen Verhältnissen nicht einfach und mit viel Mühe und Zeitaufwand verbunden.

In den Jahren 1948-1950 ging dann ein lang gehegter Wunsch nach einem eigenen Kirchengebäude in Erfüllung. Es konnte in der Frankfurter Straße 16 (jetzt am Frankfurter Tor 16 ) ein Trümmergrundstück erworben und mit dem Bau eines Gemeindehauses begonnen werden. Die Bauzeit betrug zwei Jahre. Denn nur durch die tatkräftige Mithilfe vieler Geschwister und die Opferbereitschaft der ganzen Gemeinde konnte der Bau ermöglicht werden. Am Ende war man froh und dankbar über das gelungene Werk. Am 6.8.1950 konnte der Einweihungsgottesdienst festlich begangen werden.
Die Geschwister unserer Zweiggemeinde Meerholz haben im Jahr 1959 mit dem Bau einer eigenen Kirche begonnen, die am 18.09.1960 eingeweiht wurde.

Im Jahr 1965 hat unsere Gemeinde das Trümmergrundstück neben dem Gemeindehaus gekauft und darauf entstand das Wohnhaus mit 8 Wohnungen, die im April 1966 bezugsfertig waren. Darin war dann auch je eine Wohnung für den Pastor und den Kastellan vorgesehen. Gleichzeitig wurde der Umbau und Erweiterungsbau der Kapelle durchgeführt. Der Eingang wurde auf die Straßenseite verlegt und die Kanzel kam auf die andere Seite. Der Klubraum und die Kellerräume entstanden und eine Küche wurde eingerichtet. Die kleine Wohnung im hinteren Bereich wurde als Jugendräume genutzt.

Es wurde wieder viel in Eigenleistung erstellt und zahlreiche Samstage waren mit Bauarbeiten ausgefüllt. Viele haben mitgeholfen und somit waren dann die benötigten Nebenräume für Gemeindegruppen vorhanden. Als Pastor Gerhard Ullner 1969 als neuer Pastor zu uns kam, begann eine turbulente Zeit. Er war ein sehr aktiver und dynamischer Mensch mit vielen Ideen, die er versuchte, in die Tat umzusetzen, was ihm auch gelang. Es war ihm ein Anliegen, die Menschen in unserer Stadt mit der „Guten Nachricht von Jesus“ bekannt zu machen. In den folgenden Jahren fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, von denen hier nur zwei hervorgehoben werden sollen.1. Vom 9. – 17. Juni 1973 wurde die „Partnerschaftsmission“ durchgeführt, für die wir die Hanauer Stadthalle als Verkündigungsort angemietet hatten. Es kamen Chöre aus den USA zu uns, mit denen wir gemeinsam Leute zu den abendlichen Veranstaltungen einluden. Die Abende wurden von zwei Teams mit ihren Chören aus Texas und Kansas sowie der Sängerin Willa Dorsey und dem Evangelisten Friedrich Eckert gestaltet. 2. Im Mai 1976 fand die Evangelisation mit Bruder Richard Kriese statt, an der sich auch die evangelische Allianz beteiligte. Auftakt war ein Jesus-Marsch durch die Straßen der Hanauer Innenstadt mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz. Der Marsch hatte das Ziel, möglichst viele Menschen auf die Veranstaltungen der Evangelisation aufmerksam zu machen und einzuladen.

Dank der Initiative von Bruder Ullner wurden viele Gruppenarbeiten begonnen und es bildete sich ein großer Mitarbeiterkreis. Es kam dann der Wunsch auf, eine hauptamtliche Mitarbeiterin für die Kinder- und Jugendarbeit zu berufen. Wir konnten Irmgard Kohlus als Gemeindehelferin gewinnen, die vom 15.4.1972 bis 31.12.1974 diesen Dienst tat. Anschließend war Inge Ammon (jetzt Herd) vom 15.6.1975 bis 30.9.1976 als Gemeindehelferin bei uns, bevor sie mit Ihrem Mann zum Sprachenstudium nach England ging.
Ende Juni 1976 mussten wir leider von Bruder Ullner Abschied nehmen, da er ab Juli 1976 eine Pastorenstelle in Mannheim angenommen hatte. Durch das herzliche und persönliche Verhältnis zu vielen Geschwistern fiel die Trennung von Familie Ullner besonders schwer. Bruder Ullner hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Gemeinde selbstständiger und offener für neue Wege in der Verkündigung wurde.