Monatsspruch für September 2026
„Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Hände voll mit Mühe und Jagd nach Wind.“ Prediger 4, 6 (HFA)
Wir kennen das Bild: Beide Hände sind voll. Voll mit Aufgaben, Terminen, Erwartungen und vielleicht auch Sorgen. Wir wollen nichts liegen lassen. Noch schnell die E-Mail beantworten, den nächsten Termin vorbereiten, für andere da sein, Probleme lösen und möglichst alles im Griff behalten.
Dabei klingt „beide Hände voll“ zunächst nach etwas Gutem. Es bedeutet: Ich habe viel geschafft. Ich nutze meine Möglichkeiten. Ich bin fleißig und erfolgreich. Doch der Prediger stellt eine unbequeme Frage: Was bringt uns das alles, wenn wir dabei unsere Ruhe verlieren?
Er spricht nicht gegen Arbeit, Verantwortung oder Engagement. Die Bibel ist kein Plädoyer für Bequemlichkeit. Aber sie warnt davor, dass unser ganzes Leben zu einer Jagd wird – einer Jagd nach mehr, nach Anerkennung, nach Sicherheit oder nach dem Gefühl, endlich genug getan zu haben.
Und diese Jagd hat ein Problem: Sie endet nie. Kaum ist eine Aufgabe erledigt, wartet schon die nächste. Kaum ist ein Ziel erreicht, kommt das nächste. Wir laufen hinterher und merken vielleicht erst spät, dass wir zwar viel in den Händen halten, aber innerlich immer leerer werden.
Was wirklich zählt
„Besser eine Handvoll mit Ruhe“ – das klingt im Vergleich zu „beide Hände voll“ fast bescheiden. Eine Handvoll ist nicht viel. Vielleicht reicht es nicht für alle Wünsche. Vielleicht sieht es nach außen nicht beeindruckend aus. Aber diese eine Handvoll ist begleitet von Ruhe.
Gemeint ist nicht Gleichgültigkeit. Es geht nicht darum, alle Verantwortung abzugeben oder sich aus dem Leben zurückzuziehen. Es geht um die Frage: Was ist wirklich wichtig? Was darf ich getrost loslassen? Und worauf darf ich vertrauen, auch wenn ich nicht alles selbst schaffen kann?
Ruhe entsteht nicht erst dann, wenn alle Probleme gelöst sind. Christliche Ruhe bedeutet: Ich muss mein Leben nicht allein tragen. Gott sieht mich – auch dann, wenn ich nicht leiste. Mein Wert hängt nicht davon ab, wie voll mein Kalender ist oder wie viel ich für andere erledige.
Jesus lädt uns ein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28, Hoffnung für alle)
Diese Einladung gilt nicht nur für besonders erschöpfte Menschen. Sie gilt auch für diejenigen, die nach außen noch funktionieren, während sie innerlich längst müde geworden sind. Jesus verspricht kein Leben ohne Aufgaben. Aber er verspricht seine Nähe mitten in unseren Aufgaben.
Eine kleine Entscheidung für heute
Vielleicht ist heute ein guter Tag für einen ehrlichen Blick auf unsere Hände:
- Was trage ich gerade, obwohl es gar nicht meine Verantwortung ist?
- Welcher Anspruch macht mir mehr Druck, als er mir Orientierung gibt?
- Was könnte ich bewusst loslassen und Gott anvertrauen?
- Wo brauche ich nicht „beide Hände voll“, sondern eine Handvoll, die ich in Ruhe empfange?
Manchmal ist ein geistlicher Schritt nicht, noch etwas Neues anzufangen. Manchmal besteht er darin, etwas wegzulassen. Eine Aufgabe weniger. Ein Gespräch ohne Zeitdruck. Ein Spaziergang, bei dem wir nicht nebenbei Nachrichten beantworten. Ein Gebet, in dem wir Gott nicht unsere ganze To-do-Liste erklären, sondern einfach bei ihm sein dürfen.
Die Welt wird uns wahrscheinlich weiterhin einreden, dass mehr immer besser ist. Prediger 4,6 erinnert uns daran: Ein ruhiges, erfülltes Leben ist wertvoller als ein übervolles Leben, das uns innerlich auffrisst.
Vielleicht dürfen wir Gott heute eine unserer vollen Hände hinhalten und sagen: „Herr, ich kann nicht alles festhalten. Zeig mir, was wirklich zählt. Und schenke mir den Mut, den Rest loszulassen.“
Gebet
Gott, unser Vater,
du siehst, wie voll unsere Hände und wie müde unsere Herzen manchmal sind. Wir danken dir, dass unser Wert nicht von unserer Leistung abhängt. Hilf uns zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Schenke uns den Mut, Dinge loszulassen, die wir nicht tragen müssen, und Vertrauen für das, was wir dir übergeben.
Lehre uns, deine Ruhe anzunehmen – nicht erst, wenn alles erledigt ist, sondern mitten in unserem Alltag. Danke, dass Jesus uns nahe ist und unsere Lasten mitträgt.
Amen.
Eurer Markus Grutzeck